Dienstag, 4. April 2017

[Rezension] Das Licht und die Geräusche - Jan Schomburg

Quelle: dtv.de // Hannes S. Altmann
Preis: 20,00€ [D] 
Verlag: dtv
Seiten: 255
Bewertung: 2/10
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Klappentext: 
Es ist Johanna schleierhaft, warum sie und Boris kein Paar sind. Klar, eigentlich ist Boris mit Ana-Clara zusammen, aber die ist weit weg in Portugal, während Johanna und Boris jede freie Minute miteinander verbringen und über alles reden, außer darüber, warum sie sich noch nicht geküsst haben. Johanna versteht das nicht, und das nervt sie. Und sie will auch verstehen, warum Marcel sich auf der Klassenfahrt nach Barcelona einen Mitschüler wie einen Knecht hält, warum Boris die ganze Zeit kichern muss, während ihn vier Typen auf der Tanzfläche eines Clubs zusammenschlagen wollen, und warum er nach dieser Nacht am See plötzlich verschwunden ist. Gemeinsam mit Ana-Clara und Boris’ Eltern sucht Johanna in Island nach Boris und findet heraus, dass viele Dinge ihr Wesen verändern, je länger man sie betrachtet. Und dass Ana-Claras Augen doch nicht so ausdruckslos sind, wie sie immer gedacht hat. 
Man folgt Johanna und ihrer unverstellt ehrlichen Sicht auf sich und ihre Umwelt voller Empathie und Zuneigung. Pointiert, mit zartem Witz und dem sicheren Gespür für die Leichtigkeit in schweren Themen erzählt Jan Schomburg von drei jungen Menschen und ihren Versuchen zu erkennen, wie das eigentlich überhaupt gehen soll: leben. (Quelle: dtv.de)

Meine Meinung:
Ich weiß gar nicht, womit ich bei diesem Buch anfangen soll. Es wird momentan auf der Facebook Seite von dtv wirklich viel Promotion dafür betrieben. Vielleicht vor allem, weil Jan Schomburg Filmregisseur und Drehbuchautor ist. Und das erfolgreich. "Das Licht und die Geräusche" ist jedoch sein erster Roman. Und er hat mir nicht gefallen. Der Mann kann schreiben, keine Frage. Der Schreibstil war wirklich angenehm zu lesen, aber alles andere... nope, hat mir überhaupt nicht zugesagt.

Fangen wir mit den Protagonisten an. Zu ihnen hatte ich keine Bindung und, besonders zu Johanna, keine Sympathie. Und oft auch kein Verständnis für ihre Handlungen, sodass ich wirklich häufig nur den Kopf schütteln konnte und nicht geglaubt habe, was da passiert. Sie ist sehr naiv. Zu Anfang wirft sie sich an einen 50-Jährigen ran, nur um eine Reaktion aus Ana-Clara herauszubekommen, die sie noch gar nicht kennt. Sie geht sogar so weit, beinahe mit ihm zu schlafen. Nur um eine Reaktion aus Ana-Clara hervorzurufen! Das bleibt keinesfalls die einzige solcher Situationen. Ein anderes Mal rennt sie einfach in einem fremden Land abends alleine auf die Straße und sagt zu einem komischen Typen, dass sie alles für ihn tun würde, nur, weil er das verlangt...
Boris hingegen lernt man nicht genug kennen. Auch seine Beziehung zu Ana-Clara bleibt vollkommen blass. Einzig die Freundschaft von Boris und Johanna bekommt ein bisschen Raum in der Geschichte.


Am Anfang gibt es sehr viele Gedanken-Einschübe von Johanna und deshalb verschiedene Handlungsstränge, die es zu verfolgen gibt. Auch wenn dies zuerst verwirrend ist, gewöhnt man sich daran. Die anfängliche Handlung wirkt jedoch allgemein etwas zusammenhangslos und unwichtig. Gegen Ende werden zwar Bezüge hergestellt, die den Sinn der Szenen etwas klarer machen, insgesamt hätte ich mir davon jedoch weniger gewünscht. Das Verschwinden von Boris nimmt nur knapp die letzten 100 Seiten ein, weshalb nicht wirklich auf seine Gründe eingegangen wird und vieles unglaubwürdig und unklar bleibt. 

Mobbing als Thema ist wichtig; dass sich ein Schüler einen seiner Mitschüler als Knecht hält, fand ich jedoch etwas befremdlich. Auch das Gespräch, dass Johanna danach mit der Person führt. Er wirkte nicht einsichtig, sondern versuchte fast das gleiche bei ihr und sie hat ihn auch noch darin bestärkt! 

Und dann kommen wir zum scheinbar neuen Trendthema in der Belletristik: dem Fremdgehen. Wie schreib ich das jetzt, ohne zu viel zu spoilern? Das kam einfach so vollkommen unerwartet. Und war so unpassend. In einem kurzen Moment, fühlen sie sich sogar schuldig, aber wenn sie dann der Person gegenübertreten, die sie betrogen haben, benehmen sie sich so, als wär nichts passiert. Es wird nicht darüber geredet und nichts diesbezüglich geklärt. Ich verstehe diesen Aspekt der Handlung einfach überhaupt nicht. Warum baut ein Autor so etwas noch in die letzten zwei Kapitel ein?? Spoiler: Von einem auf den anderen Moment fallen Ana-Clara und Johanna einfach übereinander her. In Island. Auf der Suche nach ihrem verschwundenen Freund. Der tot sein könnte. Muss jeder Autor neben dem Fremdgehen jetzt auch noch eine LGBTQ-Storyline einbauen?! Vor allem so total ohne vorher eine Beziehung zwischen Ana-Clara und Johanna aufzubauen. Das kam vollkommen out of the blue. Und das krasseste ist ja noch, dass Johanna am nächsten Tag WIEDER am Fremdgehen teilhat. Und zwar mit der anderen Person der Beziehung! Am nächsten Tag küsst sie einfach mal Boris! What the hell?! Und nichts davon wird angesprochen oder aufgelöst.

Vieles an diesem Buch hat mich fassungslos zurückgelassen. Letztendlich war es reine Zeitverschwendung. Die ersten 100 Seiten und die letzten zwei Kapitel waren am schlimmsten, dazwischen war es sogar erträglich. Das Ende war zu abrupt; die Geschichte wirkte einfach unfertig und hat viele Fragen offengelassen. Vor allem was Beziehungen angeht und die Sache mit dem Fremdgehen... Smdh.

2/10


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Kommentare:

  1. Ich finde es erfrischen, mal so eine ehrliche und schonungslose Rezension zu lesen. Häufig wird alles nur in den Himmel gelobt und vielleicht 1 oder maximal 2 Punkte abgezogen. Vielleicht wird aber auch nur über die guten Bücher geschrieben...Das ist dann sehr schwierig zu beurteilen. Auf jeden Fall hat mir deine ausführliche und ehrliche Meinung sehr gefallen. Tendenziell lese ich an und an sehr gerne ein Jugendbuch und die Thematik an sich hätte mir auch zugesagt, aber nun werde ich mich lieber anderen widmen. Liebe Grüße Saskia

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    1. 1 oder 2 Sterne sind schon eher die Ausnahme, da man sich meist ja nur Bücher zum Lesen raussucht, die einen interessieren, oder den Genrevorlieben entsprechen. Aber ab und zu kommt es dann doch vor und ich finde, dann sollte man das auch ehrlich ausdrücken, um damit eventuell andere vor demselben Schicksal zu bewahren. ;) Danke für deine lieben Worte!
      LG, Celina

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